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THEMA: Mit WhatsApp arbeiten

  • Autorenbild: OJA Fachstelle Digitalität
    OJA Fachstelle Digitalität
  • vor 11 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit




Die Nutzung von WhatsApp in der Offenen Jugendarbeit



4.1 Nur noch auf WhatsApp?

Es lässt sich beobachten, dass Jugendliche und ältere Kinder schon seit Längerem eher WhatsApp als TikTok, Instagram oder Snapchat nutzen. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass viele Eltern den Zugang zu „offenen” Plattformen für ihre Kinder und Jugendlichen einschränken oder gar nicht erst ermöglichen, da sie ihnen die verschiedenen Herausforderungen, denen man in den sozialen Medien ausgesetzt ist (ungeeignete Inhalte, Nutzungsverhalten, Druck, Datenschutz etc.), nicht zumuten wollen. WA wurde laut der aktuellen JAMES-Studie der ZHAW so zu einer der vier von Jugendlichen am häufigsten genutzten Apps.



4.2 Haltung

Die Präsenz der Offenen Jugendarbeit und Ansprechbarkeit für Jugendliche auf WA ist daher sinnvoll und lebensweltorientiert. Es empfiehlt sich jedoch folgende Themen zu beachten:

  • #Ziele: Indikatoren festlegen und diese regelmässig auswerten. Beispielsweise: Wieso möchten wir WA nutzen? Was erhoffen wir zu erreichen? Und ist das realistisch mit WA? Oder ist ein anderes Medium geeigneter? Wie Zeit kann ich da einsetzen? Wie und wieso möchten wir den Kanal gestalten?

  • #Abgrenzung: Immer nur Diensthandy/-Nummer für den Kontakt mit Jugendlichen nutzen. Automatisches laden von Medien (Bilder & Videos etc.) ausschalten.

  • #Erreichbarkeit: Jugendlichen zeitnah antworten, gleichzeitig (Öffnungs-)Antwortzeiten in Profilinfo schreiben. Mit WA-Business könnten sogar automatische Nachrichten versandt werden.

  • #Schutz: Infopflicht im Team wenn man direkt mit einzelnen Jugendlichen schreibt. Absprechen welche Emoji-Reaction mit Jugendlichen angebracht sind. Herzchen oder Daumen hoch?

  • #Abläufe: Vorfälle (bspw. Gewalt- oder Suizidandrohung) nie allein für sich behalten oder bearbeiten. Immer an Leitung rückmelden und gemeinsames Vorgehen absprechen.

  • #Respekt: Bei der Eröffnung von Gruppenchats anfangs ein paar grobe (positiv formulierte) Regeln kommunizieren, wie ein gutes Miteinander gelingt.

  • #Beratung: Bei Anfragen von Jugendlichen zu heiklen oder privaten Themen, sie auf Datenschutzproblematik von WA aufmerksam machen (WA erfasst diverse Daten wie Nutzung, Gerät etc.), alternative Apps und ein baldmögliches Face-to-Face-Treffen anbieten.

Weitere Tipps und Infos zu WA findet man auf saferinternet.at, sowie zu WA in der Jugendarbeit auf servicebureau.de.



4.3 Wie funktioniert was?

Grundsätzlich unterscheidet WA zwischen zwei Arten von "Abo's". Diese haben folgende unterschiedliche Eigenschaften:

# WA (Privat): Communitys erstellen, Storys

# WA Business (Unternehmenskonto): Einrichtung eines Unternehmensprofils (Div. Angaben im Profil wie Email, Link, Beschreib etc. möglich -> erfassen, dass sie den organsationalen Vorgaben entsprechen), Automatisierung der Nachrichten (Begrüssung oder Abwesenheitsnachrichten wie "Wir haben geschlossen..."), Vordefinierter Antworten senden, Anzeige der Performance (Menge Statusaufrufe etc.), Community-Admin sein (Wenn von privatem Account eingeladen)


Allgemein ist es empfehlenswert, im Profil bei persönlichen Nummern ein eigenes Foto und bei „Institutions“-Geräten ein Teamfoto zu speichern. Wenn WhatsApp privat genutzt wird, sollten außerdem die Erreichbarkeitszeiten in die Info geschrieben werden (Neu kann man die Sichtbarkeit der Profil-Infos zeitlich begrenzen). Bei Teamhandys lohnt es sich aus Transparenzgründen, dazu zu schreiben, wer die Nachricht gerade verfasst hat.


Grafik zum Vergrössern anklicken oder hier herunterladen:



4.4 Mindestalter 13 Jahre

Unter 13 Jahren dürften Jugendliche WhatsApp nicht nutzen. Rechtliche Konsequenzen hat die Nutzung von WhatsApp für unter 13-Jährige jedoch keine. Pro Juventute schreibt, dass im Schweizer Gesetz das Schummeln bei der Altersangabe keinen Tatbestand darstellt, der unter Strafe steht. Gibt man aber ein falsches Alter an, verletzt man die Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Bei einer allfälligen Prüfung könnte WhatsApp als Massnahme für das Unterschreiten des Mindestalters die Nutzung der App einschränken oder blockieren.



4.5 Datenschutz

Wichtig ist zu Wissen, dass WhatsApp ein Produkt des amerikanischen Konzerns Meta (Instagram, Facebook) ist. Dieser verdient sein Geld vor allem mit Werbung. Um diese gezielt an seine Nutzer*innen ausspielen zu können, sammelt WA Daten wie Telefonnummern (eigene und aus dem Adressbuch), Gerätestandort, IP-Adressen, Geräteinformationen (Modell, Betriebssystem), Nutzungshäufigkeit, Profilbilder und Kontaktlisten). Zudem ist es wichtig, die KI von Meta nicht zu nutzen. Die Inhalte, die man der KI preisgibt, sind gegenüber Meta nämlich nicht verschlüsselt. Was die Auswirkungen des Sammelns von Daten sein können, beschreibt der vierteilige Podacast die Cookiefalle von SRF. Bis anhin "bezahlte" man daher die Nutzung der App mit eigenen Daten. Künftig wird jedoch zusätzlich mit Werbung experimentiert werden. Diese wird in der App aufpoppen, wenn man nicht bereit ist, monatlich 4 Fr Abo-Gebühr zu bezahlen.

Zusätzlich muss man wissen, dass in den USA alle Digital-Konzernen (auch Signal) aufgrund des CLOUD Act's, der US-Strafverfolgungsbehörden unabhängig vom Speicherort der Daten, Zugriff auf Nutzerdaten gewähren müssen.

Der heikelste Punkt der WA-Nutzung ist jedoch nicht die Nutzung an sich, sondern das Freigeben des Telefonbuchs an WA. Mit dieser Aktion gehen Daten an WA, welche die betroffenen Personen (Wenn sie WA nicht nutzen) nicht zugestimmt haben. Der Datenschutzbeauftragte des Kanton Zürichs ratet deshalb von der Nutzung der App ab. Es empfiehlt sich daher, dem Messenger-Dienst den Zugriff auf das Telefonbuch zu verweigern und die Nummern von Kontakten, welche WA bereits nutzen, innerhalb der App manuell zu erfassen.



4.6 Alternativen

Als Alternativen werden generell Threema (5 Fr.) oder Signal (kostenlos, jedoch auch dem CLOUD-Act unterstellt) empfohlen. Jugendlichen nutzen diese jedoch kaum. Trotzdem sollte man einen dieser Messenger installiert haben, um bei Bedarf eine Alternative bieten zu können. Eine Übersicht über die Messenger bietet chip.de oder die Digitalen Gesellschaft Schweiz.




Bildquelle: Eigene Grafik aus Canva

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