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THEMA: Über welche Messenger und Plattformen kommunizieren Jugendliche

  • Autorenbild: OJA Fachstelle Digitalität
    OJA Fachstelle Digitalität
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 16 Stunden





1 JAMES- und JIM-Studie

Die JAMES-Studie der ZHAW sowie die JIM-Studie aus Deutschland weisen aus, welche Apps Jugendliche in welchem Alter mehrheitlich (für Kommunikation) nutzen:










Die JAMES-Studie beschreibt, dass für Schweizer Jugendliche Austausch und Kommunikation essentiell sind: 89% geben an, soziale Netzwerke täglich oder mehrmals die Woche zur Unterhaltung zu nutzen. Dabei steigt der Anteil je nach Alter. Sind es bei den 12-/13-jährigen noch 77%, sind es bei den 18-/19-jährigen bereits 95%:


Top 5 Internet zur Unterhaltung. Prozentangaben: täglich/mehrmals pro Woche.


Messenger zu nutzen, liegt mit 85% auf Platz zwei der Unterhaltungsmedien. Den zweiten Platz belegen Messenger mit 74% auch bei der Informationssuche. So wundert es nicht, dass die am häufigsten genutzte Funktion auf dem Smartphone Messenger Apps sind (97% täglich/mehrmals pro Woche).

Top 5 Internet für Information - Prozentangaben täglich/mehrmals pro Woche



2 Für was welche Messenger/Plattform?

Eine Umfrage bei diversen Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat folgende Apps/Plattformen welche sie nutzen ergeben. Zusätzlich haben sie Auskunft gegeben, wie sie diese nutzen:

Icon

Messenger/Plattform

Tendenz Alter Nutzer*innen

Kommunikation mit:

Funktion

Gut zu Wissen für Offene Jugendarbeit


Whats App

alle von 12-25

Schule, Eltern

Kommunikation mit Erwachsenen. Gruppenchats mit Schule und Peers. Verstärkte Nutzung, wenn Eltern andere SC's/Messenger verbieten.

Einige Jugendliche haben nur WA. Via Communitiy lässt sich's einfach und schnell Neuigkeiten raushauen.


Instagram

16-25

Jugendarbeit, Peer

Konsummieren von Inhalten die sie interessieren. Kommunikation untereinander.

Unter 16 jährige haben teils noch einen mehr oder wenig anonymen Account.

TikTok

Viele im Alter von 12-25

Peer

Konsummieren von Inhalten die sie interessieren. Eigene Inhalte posten.

Wahrscheinlich die aktuell wichtigste Plattform für junge Menschen.

Snapchat

Seit längerem in verschiedenen Altersgruppen wieder aktueller

Freund*innen

Konsummieren von Inhalten die sie interessieren. Sharen vom Standort an- & Kommunikation mit Peer. Anndere junge Leute kennenlernen.

Plattform kann ohne SIM-Karte/Handynummer genutzt werden.

Chats in Games: Fortnite,Roblox, Minecraft etc.

12-16

Freund*innen

Kommunikation innerhalb Peers, gamen, eigene Games erstellen

Wichtiger Kanal um gemeinsam zu spielen und zu kommunizieren.

Signal

Die, die gegenüber Meta wegen Datenschutz kritisch eingestellt sind

Eltern

Kommunikation mit Erwachsenen und teils innerhalb Peers

Nutzung insbesondere wenn andere Messenger durch Eltern verboten.

Telegram

Aus ehemaligen Sowjetstaaten. Oder die, die anderen App's kritisch eingestellt sind

Peers

Kommunikation in Gruppen oder bspw. Organisation illegaler Partys

Mittlerweile Datenschutz- und -sicherheitstechnisch einer der unsichersten Messenger.


Discord

Junge Erwachsene

Freund*inne und innerhalb Community.

Kommunikation im Game und Austausch zu Popkulturellem

Kommunikationsplattfor für Gamer*innen, aber auch andere (Popkulturelle) Gruppierungen treffen sich dort für Kommunikation.



3 Aktuelle Themen/Phänomene

Aktuell lässt sich beobachten, dass...

  • Eltern jüngerer, eher aus bildungsnahen Haushalten stammender Jugendlicher die Nutzung komplett offener Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat stark einschränken bis verbieten. Diese Jugendlichen nutzen vor allem WhatsApp oder gar nur Signal. Dabei vergessen Eltern jedoch oft die vielen anderen digitalen Austauschmöglichkeiten wie Chats in Games.

  • Jugendliche auf verschiedenen Plattformen und Apps präsent sind, um diese für unterschiedliche Zwecke zu nutzen. Sie verwenden jeweils unterschiedliche Kanäle für die Kommunikation mit ihren Peers, der Schule, den Eltern, der Jugendarbeit etc.

  • Jugendliche Accounts gemeinsam nutzen. Unter anderem als quasi-Vertrauensbeweis. Dies führt immer wieder zu Streit und herausfordernden Themen wie bspw. Mobbing. Auch weil teils sogar Profile mit Menschen geteilt werden, die man physisch noch nie getroffen hat.

  • Snapchat für Jugendliche, die aus welchen Gründen auch immer keinen Zugang zu einer SIM-Karte (Handy-Nummer) haben, ein wertvoller Kanal ist. Es ist daher auch wichtig, dass in der Offenen Jugendarbeit nach wie vor ein WLAN-Zugang angeboten wird.

  • Die Ortungsfunktion von Snapchat für Jugendliche sehr wichtig ist und im Vergleich zu anderen Social-Media-Plattformen auch sehr genau ist. Der Standort wird in Echtzeit angezeigt und kann mit allen, keinen oder ausgewählten Kontakten geteilt werden. Das kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben: Standorte werden teils bewusst geteilt (mit Freunden, dem Partner, der Community), auch für den Fall, dass etwas passieren könnte, beispielsweise wenn man zu einem Date geht. Manchmal wird dies auch unbewusst getan, weil man sich nicht ausreichend mit den Einstellungen auskennt und vergisst, gewisse Kontakte zu sperren. Dadurch kann man auch von jemandem aufgefunden werden, den man nicht sehen möchte. In unserer Arbeit müssen wir auch datenschutztechnische Überlegungen anstellen, da wir unter Umständen den Standort von Jugendlichen einsehen könnten, falls sie diese Funktion freigeschaltet haben.


4 Discord

Die Plattform wird vor allem von Gamer*innen als Austausch- und Vernetzungsapp genutzt. Sie wird mehrheitlich von Erwachsenen genutzt. Aber auch von Jugendlichen, die sich einer Gamecommunity zugehörig fühlen und für die Gaming ein zentrales Hobby ist. Für sie kann sie ein wichtiger Austauschkanal sein. Zusätzlich ist Discord mittlerweile auch ein Ort für andere popkulturelle Richtungen, die mit der Thematik Gaming zu tun haben oder auch nicht. Auf Discord sind auch Teams der Offenen Jugendarbeit aktiv. In Bezug auf herausfordernde Themen machte die Plattform negative Schlagzeilen, da sich dort auch Rechtsextreme vernetzen und Gruppen betreiben.

Einen guten Überblick über die Plattform bietet klicksafe.de in einem Blogtext.


5 Reddit

Diese Diskussions- und Informationsplattform hat zum Großteil Inhalte in englischer Sprache und bietet eine riesige Bandbreite an Themen. Sie ist für viele Nutzer*innen positiv besetzt, da sie psychosoziale Unterstützung, konkrete Hilfestellung bei technischen Problemen und Diskussionen über diverse Nischenthemen bietet. Dabei gibt es auch Diskussionskanäle, die von Offenen Jugendarbeitsstellen moderiert werden. Ein Beispiel ist Digital Streetwork Bayern. Die Plattform war teilweise negativ in den Schlagzeilen, da es in den Foren Zugang zu Deep-Fake-Pornos gab. Jugendliche erwähnen die Plattform auch immer wieder in diesem Zusammenhang. Reddit sperrt solche Foren immer wieder. Grundsätzlich ist die Plattform unterschiedlich gut von Reddit-Moderator:innen, User:innen und Bots moderiert. Sie soll moderiert werden, jedoch auch Kontroversität Raum geben. Einen spannenden Artikel zur Plattform findet man auf der Webseite des JFF – Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.



6 Weitere Plattformen


Allgemein Chats in Games

Nebst der bekannten Plattform Discord gibt es für den Austausch in der Game-Community viele weitere Möglichkeiten. So gibt es in den meisten Spielen In-Game-Chats oder kleine Nischen wie TeamSpeak auf Twitch. Ziel: die Spielenden tauschen sich über Aspekte des Spiels wie Taktik, popkulturelle Phänomene und anderes aus. Diese Chats können aber leicht für Cybergrooming missbraucht werden. Weitere herausfordernde Themen sind toxische Kommunikation und Mobbing.


Ome.tv (wie früher ChatRoulette)

Bei dieser Plattform werden zufällige Videoanrufe geschaltet. Eine Möglichkeit zu schreiben, gibt es nicht. Das gegenüber kann jederzeit gewechselt werden.

Der Peak dieser Art von Plattform wurde ca. 2010 mit ChatRoulette erreicht. Seit der Corona-Pandemie erlebte die App wieder ein Revival. Nutzen konnte man sie (gegenüber ome.tv) ohne Login, daher sind keine richtige Nutzerzahlen verfügbar. Solche Plattformen werden grösstenteils für sexuelle Belästigung und Exhibitionismus verwendet.

 


Dieser Text entstand durch die OJA Digitale Fachstelle (Isabella Ferrara & Renato Hüppi) in Zusammenarbeit mit der OJA Mobile Jugendarbeit Zürich und Manuela Lutz von der Koordinationsstelle Digitale Kinder- und Jugendarbeit Basel-Stadt.




Weitere Grafiken zum Thema:


Bildquelle: ZHAW 2024 & JIM Studie 2025



Bildquelle: Eigene Canva-Animation

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